Die letzte Ernte und was die Bienen jetzt brauchen

Bienen sammeln Nektar und verarbeiten ihn zu Honig — ihrem eigenen Energievorrat. Was wir am Ende aus dem Glas löffeln, ist also ein kleiner Anteil einer Arbeit, die unsere Bienen für ihr Volk leisten. Zur Ernte gehört deshalb immer auch Verantwortung: Danach muss genug für die Bienen selbst übrig bleiben.

Bei der letzten Ernte des Jahres entnehmen wir die reifen Honigwaben und schleudern sie. Doch damit ist die Arbeit am Bienenstand nicht getan. Ein Volk braucht Vorräte für die ganze Zeit, in der draußen wenig bis nichts mehr zu holen ist. Zwischen Ernte und Winter darf keine Versorgungslücke entstehen.

Wann genau wir welchen Schritt gehen, hängt vom Nahrungsangebot, von der Entwicklung des einzelnen Volkes und vom Varroabefall ab. Ein Kalendertermin, der für jedes Volk und jeden Standort passt, gibt es nicht — auch bei unseren Bienenständen im Bergischen Land nicht.

Die Varroamilbe: der Grund für den Aufwand

Die Varroamilbe ist ein Parasit der Honigbiene. Sie schädigt die Tiere und kann Viren übertragen. Zur Vermehrung nutzt sie die Brutzellen, in denen junge Bienen heranwachsen — bevor die Zelle verschlossen wird, schlüpft die Milbe hinein und vermehrt sich dort unbemerkt unter dem Wachsdeckel.

Wie lassen sich die Milben aus dem Volk holen, bevor sie dem Nachwuchs weiter schaden? Genau darum geht es jetzt im Spätsommer.

Vollständige Brutentnahme: der Milbe die Brut nehmen

Bei der Bergischen Biene setzen wir dafür auf ein biotechnisches Verfahren, ganz ohne Varroa-Behandlungsmittel: die vollständige Brutentnahme mit anschließender Fangwabe.

Dabei entnehmen wir alle Brutwaben eines Volkes — vom Ei über die Larve bis zur Puppe — und damit auch die Milben, die sich in dieser Brut befinden. Die erwachsenen Bienen und die Königin bleiben im Volk. Das ist ein deutlicher Eingriff, der sorgfältige Planung und genug Vorlauf braucht, damit das Volk anschließend wieder Nachwuchs aufziehen kann.

Ganz erledigt ist die Sache damit aber noch nicht: Ein Teil der Milben sitzt zu diesem Zeitpunkt auf den erwachsenen Bienen und bleibt zunächst im Volk zurück.

Die Fangwabe: der zweite Schritt

Deshalb geben wir nach der Brutentnahme eine Fangwabe ins Volk — eine Wabe mit offener, also noch nicht verschlossener Brut. Die verbliebenen, vermehrungsbereiten Milben wandern in diese offenen Zellen ein und lassen sich so gezielt binden.

Entscheidend ist der richtige Zeitpunkt der Entnahme: erst, wenn die Bienen die Zellen verdeckelt haben — aber bevor daraus junge Bienen samt Milben schlüpfen. Bleibt die Wabe zu lange im Volk, kommen die Milben mit dem Nachwuchs wieder heraus. Die Fangwabe funktioniert nur durch dieses genaue Timing.

Eine Garantie für ein komplett milbenfreies Volk gibt dieses Verfahren nicht — die Wirkung hängt von der Ausgangslage und der genauen Durchführung ab. Deshalb bleibt auch danach eine regelmäßige Befallskontrolle Teil unserer Arbeit.

Einfüttern: Vorräte für den Winter sichern

Zur Wintervorbereitung gehört bei uns auch das Einfüttern. Grundsätzlich können Bienen gut auf Honig überwintern — die ergänzende Fütterung dient dazu, nach der Ernte sicher genug Vorrat für die ganze kalte Jahreszeit im Volk zu haben.

Wie viel ein Volk braucht, hängt von seinen vorhandenen Vorräten ab — eine pauschale Menge für alle Völker gibt es nicht. Gleichzeitig brauchen die Bienen Platz für ihre Brut: zu viel eingelagertes Futter im Brutnest kann diesen Platz einschränken. Einfüttern und Varroabekämpfung müssen deshalb aufeinander abgestimmt sein, und die Versorgung darf nicht bis zum Schluss aller anderen Arbeiten warten.

Futter für die Völker und Honig für die Ernte halten wir dabei immer strikt getrennt. Warum es überhaupt nicht das ganze Jahr Honig von uns gibt, erklären wir auch im Artikel „Warum gibt es nicht ganzjährig Honig?“.

B

Aus unserer Imkerei. Beim Blick auf ein Glas Honig sieht man von dieser Arbeit wenig. Am Bienenstand in Wermelskirchen gehören die Versorgung der Bienen und der Umgang mit der Varroamilbe genauso zum Imkern wie das Schleudern. Unseren Blütenhonig entdecken →

Häufige Fragen

Dabei entnehmen wir alle Brutwaben eines Volkes — und damit auch die Varroamilben, die sich in der Brut vermehren. Die erwachsenen Bienen und die Königin bleiben im Volk.

Ein Teil der Milben sitzt zum Zeitpunkt der Brutentnahme auf den erwachsenen Bienen. Eine Fangwabe mit offener Brut lockt diese Milben an, bevor sie rechtzeitig entnommen wird — so werden auch sie aus dem Volk entfernt.

Ja, grundsätzlich schon. In der Imkerei wird trotzdem oft zugefüttert, um sicherzustellen, dass genug Vorrat für die ganze kalte Jahreszeit da ist.

Weil Nahrungsangebot, Volksstärke und Varroabefall von Volk zu Volk und Jahr zu Jahr unterschiedlich sind. Wir richten uns nach dem, was die Bienen gerade brauchen, nicht nach dem Kalender.


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